aus der Geschichte

100 Jahre Kirchenchor Ruit – Aus der Geschichte

 „Um die Weihnachtszeit 1917 berieten Schultheiß Strobel und Hauptlehrer Schwarz … über die Gründung eines Chors, der den Gottesdienst beleben, hauptsächlich auch die Trauerfeiern für die im Kriege gefallenen Gemeindeglieder verschönern sollte. Es wurde anfangs Januar 1918 … bekanntgemacht, dass stimmbegabte Fräulein, die Lust haben, in einem Chor zu singen, sich melden sollen. Auf diese Weise kamen etwa 30 Fräulein bei der Gründungsversammlung am 9. Januar … zusammen.“

So beginnt die handschriftliche Chronik des Kirchenchores Ruit der Jahre 1922–1956.

1918/1919: Erster Chorleiter war Reallehrer Jakob Luz aus Stuttgart, unter dessen Leitung zum Osterfest am 31.03.1918 zum ersten Mal im Gottesdienst gesungen wurde. Auch Männerstimmen kamen dazu und das erste Chorbuch wurde schon mit 60 Stück angeschafft.

1920: übernahm der Mit-Initiator Hauptlehrer Wilhelm Schwarz den Chor. In der Chronik heißt es dazu: „Es zeigte sich jedoch, dass Hauptlehrer Schwarz … der Aufgabe nicht gewachsen war.“

1921 (bis 1937): „Es wurde deshalb Ende Februar Reallehrer Luz aufs Neue ersucht, den Chor wieder in die Hand zu nehmen, was dieser auch willig tat.“ Er prägte insgesamt fast 19 Jahre die Chorarbeit. In den folgenden Jahren wurden durchschnittlich 40 Singstunden pro Jahr in der Chronik aufgeführt, dazu Beiträge in etwa 15 Gottesdiensten und einem Konzert pro Jahr sowie regelmäßige gemeinsame Ausflüge. Auch die Teilnahme an Bezirkstagen war selbstverständlich.

1922 Beschluss der Chorsatzung: „Der Kirchenchor will den kirchlichen Chorgesang pflegen, um den Gottesdienst zu beleben und um solche Gemeindeglieder, die der Kirche mehr und mehr fremd geworden sind, wieder für die Sache des Christentums zu gewinnen. Zu diesem Zweck singt der Chor regelmäßig an den kirchlichen Hauptfesten und nach Möglichkeit an andern Sonntagen des Kirchenjahrs…“ Die Mitglieder zahlten eine Aufnahmegebühr, regelmäßige Beiträge und oft auch die Noten.

1927 Beitritt zum Kirchengesangverein für Württemberg (heute ist die Gemeinde Mitglied im „Verband evangelische Kirchenmusik in Württemberg“).

1937 (bis 1961): „Nachdem Herr Oberreallehrer Luz altershalber und wegen seines schlechten Gehörs die Leitung des Kirchenchor niedergelegt hatte, übernahm auf dessen Wunsch und Bitte Pfarrer Roller die Leitung des Chores...“

1941: „…unser Chorleiter Pfarrer Roller wurde… einberufen…  Unseres Chorleiters Frau, Frau Pfarrer Roller ist in die Bresche gesprungen und schwingt den Stab meisterhaft…“

Frau Roller übernahm nach der Rückkehr ihres Mannes noch längere Zeit den Begräbnischor.

1961 bis 1968 leitete Landesjugendsingwart Martin Striebel den Chor. Kurze Zeit übernahm die Organistin (1961–69) Ruth Distel nach dessen Wegzug auch die Chorleitung.

1969 (bis 1999) stellte sich Hans-Theo Keltsch dieser Aufgabe, ab 1979 bis 1999 als Kantor mit 1/3 Dienstauftrag auf der neu eingerichteten B-Stelle. Übergangsweise übernahm Christa Illi, die auch Kinderchor und Jugendkantorei leitete, von 1999 auf 2000 Vertretungen in den Chorproben. Über viele Jahre bestand eine gute Zusammenarbeit mit Bezirkskantor Klaus Schulten, der Anfang 2000 noch Mozarts c-Moll-Messe in Ruit aufführte.

Seit 1978, seit 40 Jahren, singt der Kirchenchor Kemnat mit Ruit zusammen. Manche Aufführungen werden in Kemnat wiederholt, der Chor singt mehrmals im Jahr im Gottesdienst in der Bartholomäuskirche.

2000: im Mai wurde die jetzt 50%ige Kantorenstelle mit Irmgard Eismann besetzt.

2018: Die Mitgliederzahl liegt bei 46. Auch heute ist der Schwerpunkt der Chorarbeit die regelmäßige Mitgestaltung von Gottesdiensten und einem Konzert im Jahr. Besonders geschätzt wird von allen der Zusammenhalt, der die Gemeinschaft alle Höhen und Tiefen der 100jährigen Chorarbeit bestehen ließ. Kantor Hans-Theo Keltsch schrieb 1988 zum 70jährigen Jubiläum: „…die Gemeinschaft lebt vom Zusammenhalt, der Dienstbereitschaft, Treue und Ausdauer ihrer Mitglieder… [Über die Jahre] gleichgeblieben ist die Erfahrung, dass durch die gesungene Verkündigung … Sängerinnen und Sänger selbst immer wieder reich beschenkt werden…“ Martin Striebel schrieb 1964 der Gemeinde ins Gewissen: „So solltest auch Du, liebe Ruiter Kirchengemeinde, in Deinem Chor immer ein Stück Deines geistlichen Lebens sehen… Der Kirchenchor ist Mund der Gemeinde, der sich … zu Lob, Dank, Bitte und Bekenntnis zu Gott hin öffnet. Dass er nie verstumme –… dieser Verantwortung ist keines entbunden. In diesem Sinne sei zum Lobamt in der Gemeinde aufgerufen…“ Heute – noch einmal 50 Jahre später – lässt sich ergänzen: Herzliche Einladung zum Singen und Musizieren in Kirchenchor, Posaunenchor, Gospelchor, Kinderchor, Blockflötenkreis und Musikteams!